P. I. .L. T. Z.
Diplomausstellung in der IG bildende Kunst
Grafik und Konzept Franziska Maderthaner
Beiträge von: Markus Brügger, Thomas Gänszler, Johann -Peter
Hlustig, Doris Kepplinger, Karin Mihatsch, Silke Pfeifer, Stefan Purucker,
Christoph Puschnik, Stefanie Sandhäugel, Florian Schafschetzy, Tatia
Skhirtladze, Theresia Trappl, Peter Wannerer, Paul Wagner, Verena Wagner
17. Oktober 31.Oktober 2002
IG BILDENDE KUNST 1060 Wien, Gumpendorferstrasse 10-12
"After University"
the future is your choice Die Hipness der Bedeutungsleere
dieses Satzes klingt zwar wie ein griffiger Werbeslogan; als mission statement
von P.I.L.T.Z steht es als ironisches Zitat für die scheinbaren Wahlmöglichkeiten
von jungen Menschen: Für die Erlangung eines virtuellen Studienplatzes
an der P.I.L.T.Z. der privaten Universität für
Kultur mit Akkreditierung.
Vor drei Jahren gegründet stellt P.I.L.T.Z. ein neues Modell und Übungsfeld
für Kulturvermittlung und künstlerischer Arbeit dar. In einer Zeit,
in der staatliche Institutionen ihr Monopol auf Definition gesellschaftsrelevanter
Normen und Massstäbe verlieren, in der Kunstuniversitäten nach neoliberalen
Effizienzkriterien ihre Bedürfnisse formulieren sollen und restaurative
Strukturen jegliche Freiräumen zur notwendigen Selbstfindung in der Kunst-
und Kulturbildung eliminieren, zeigt P.I.L.T.Z. einen neuen Weg.
Abseits überkommener Traditionen und Doktrinen entwickelt P.I.L.T.Z. ein
erweitertes Verständnis für soziale Verantwortung und individuelle
Entfaltung, für die Entwicklung eigener Schwerpunktsetzungen in der intellektuellen
und künstlerischenWelt und der Entdeckung neuer Lebens- und Lernformen,
für die im "normalen" Universitätsalltag wenig Platz ist.
Die Basis von P.I.L.T.Z. bilden 12 autonom verwaltete und unterschiedlich strukturierte
Institute. Die Vision von P.I.L.T.Z. beruht auf der Erkenntnis der allmählichen
Auflösung modernistischer Werturteile, traditioneller Meisterschaften und
subjektorientierter Autonomie und damit zur notwendigen Entwicklung eines neuen
Werk- und Produktionsbegriffs, eines kritischen Institutionsverständnisses
und der Reflexion gesellschaftlicher Kontexte.
P.I.L.T.Z. realisiert sich in materiellen Kunstwerken, die von ihren StudentInnen
erdacht und produziert werden. Somit wird P.I.L.T.Z. ursprünglich
als ironischer Kommentar gedacht zu einem Strategiemodell.
"Die kulturellen Strategien, die früher als subversiv galten, grenzten
sich durch ein fundamental anderes Wertesystem von der hegemonialen Kultur und
deren Wertesystem ab.Die zeitgenössischen Taktiken zeigen dagegen völlig
gewandelte Ausgangspunkte. Ganz wesentlich ist für sie, dass sie sich nicht
mehr durch Opposition oder eine behauptete Autonomie ausserhalb der hegemonialen
Kulturindustrie positionieren, sondern durchaus am Markt und somit an der Konsumideologie
partizipieren."
(1)
Somit kann P.I.L.T.Z. als Übersetzung bestehender Institutionen verstanden
werden. "Die Übersetzung schafft den Mythos der Reinheit und ordnet
sich zugleich unter als unrein. In dem sie das Original als Original konstruiert,
konstruiert sie sich als sekundär und exiliert sich von dem Ort, den sie
selbst erschafft."
(2)
Der Titel "After University" lässt sich sowohl als zeitlich -
determinierte Lebensphase wie auch als Zitat verstehen. P.I.L.T.Z. als
strategische Projektionsfläche ruft in seinem reproduktiven Ansatz methodische
Fragestellungen hervor, denen die StudenInnen aus 8 der 12 Institute exemplarisch
in ihren Arbeiten nachgehen. Das Feld der künstlerischen Kommentare, der
"Diplomarbeiten" ist breit, die Werke ironisch, subversiv und lustvoll,
im Entstehungsprozess dominierte eine entspannte Produktivität, gleich
als ob die Nicht-Fixiertheit auf den egomanen Autonomiegedanken eine kreative
Entlastung bewirkt hätte.
Urbanismuskritik, Partizpation, Kontextverschiebung, Fake oder analytische Malerei
all diese Kunstpraktiken geben Aufschluss über die Bandbreite des
zeitgenössischen Diskurses, in dem P.I.L.T.Z. verortet ist.
Franziska Maderthaner
(1) zit. Stefan Römer, Künstlerische Strategien
des Fake, Kritik von Original und Fälschung , Köln, 2001
(2) zit. Mark Wigley, Architektur und Dekonstruktion: Derridas Phantom, 1998