{"id":1150,"date":"2016-01-13T15:13:21","date_gmt":"2016-01-13T14:13:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maderthaner.cc\/?page_id=1150"},"modified":"2016-02-29T17:15:37","modified_gmt":"2016-02-29T16:15:37","slug":"2006-wasser-oel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/text\/2006-wasser-oel\/","title":{"rendered":"2006 Wasser &#038; \u00d6l"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section][et_pb_row][et_pb_column type=&#8220;1_3&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;titel&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;]<\/p>\n<h5>Zur Ausstellung &#8222;Wasser &amp; \u00d6l&#8220;<\/h5>\n<h5>Angelika Fitz und Michael W\u00f6rg\u00f6tter<\/h5>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_3&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;Wasser &amp; \u00d6l&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;]<\/p>\n<div id=\"Layer1\" class=\"texte\">\n<p class=\"style1 style2 style3\"><em>\u201eF\u00fcr mich ist die Technik des Aquarells ein extrem spannender &#8222;Ausgleich\u201c zur \u00d6lmalerei. Sie fordert eine v\u00f6llig andere Art der Konzentration auf das &#8222;Jetzt\u201c, auf die Unwiederbringlichkeit einzelner Momente. Wenn mir diese Konzentration gelingt, bin ich zugleich in einem Zustand h\u00f6chster Wachsamkeit und Ruhe. Ich sehe darin eine gewisse Verwandtschaft zur japanischen oder chinesischen Kaligraphie. Parallel zur Bildproduktion empfinde ich diese Arbeiten als eine Art &#8222;Schreiben\u201c \u00fcber Kunst &#8211; ein &#8222;Schreiben\u201c in den nicht nur technisch gesehen sehr, sehr unterschiedlichen Medien Aquarell und \u00d6l.\u201c (Franziska Maderthaner) <\/em><\/p>\n<p class=\"style1\">.<\/p>\n<p>Franziska Maderthaner beherrscht die zwei Medien Aquarell und \u00d6lmalerei gleicherma\u00dfen souver\u00e4n. In ihrer aktuellen Ausstellung &#8222;Wasser &amp; \u00d6l\u201c werden diese h\u00f6chst differenten Techniken sprichw\u00f6rtlich selbst zum Thema. Ihre neuen Arbeiten oszillieren zwischen weltpolitischen Bedeutungstiefen von Wasser und \u00d6l als elementare Ressourcen, und den medialen Oberfl\u00e4chen, in denen sie Wasser und \u00d6l verhandelt. Sie zeigt Verh\u00fcllung als Verh\u00fcllung, Aktion als Aktion, Medium als Medium indem sie die Zusammenh\u00e4nge von Form und Inhalt oder von \u00dcberbau und Basis immer wieder neu auf die B\u00fchnen medialer Oberfl\u00e4chen legt. Diese Betonung der Oberfl\u00e4chen, und die damit verbundene Lenkung der Aufmerksamkeit auf unterschiedliche Medialit\u00e4ten bewirkt Verschiebungen und Br\u00fcche zwischen einge\u00fcbten Verh\u00e4ltnissen von Wahrnehmung und Zeit.<\/p>\n<p>Massenmediale Bilder erscheinen als Aquarell. Bevor das Aquarell als &#8222;Hausfrauenmedium\u201c in Verruf kam, war es als schnelles Skizzenmedium ein klassisches Reiseberichtsformat, bis es von der Fotografie in dieser Funktion abgel\u00f6st wurde. Maderthaner zitiert im Aquarell massenmediale Reisebilder, von Kriegsschaupl\u00e4tzen bis zum Museum als touristischem Event, wobei das Aquarell als Dokumentationsinstrument im Gegensatz zur Fotografie nicht mimetisch funktioniert, sondern immer schon ein tendenziell abstrahierendes und damit ein st\u00e4rker auf sich selbst verweisendes Medium ist. In einem weiteren Schritt wird die Momentaufnahme des Aquarells in &#8222;Scheinaquarelle\u201c in \u00d6l \u00fcbergef\u00fchrt. Die ausdehnbaren Zeit- und Materialschichten der \u00d6lmalerei erlauben Korrekturen und L\u00f6schungen als \u00dcberschreibungen, \u00e4hnlich digitaler Bildbearbeitung, die L\u00f6schung als \u00dcberschreibung prozessiert.<\/p>\n<p>Durch ihr klares Bekenntnis zu Visualit\u00e4t und technischer Brillanz zeigt Franziska Maderthaner in ihren Arbeiten Sujets als ersetzbar. Sie geht dieser Austauschbarkeit nach, indem sie morphologischen \u00c4hnlichkeiten nachsp\u00fcrt: Mit Planen oder allerlei Decken verh\u00fcllte Autos in Kroatien stellt sie neben Frauen in Burkas im arabischen \u00f6ffentlichen Raum oder Frauen, die sich in Kunstausstellungen gerade ihre Pullover ausziehen. Das Nebeneinander von Planen, Burkas und Pullovern thematisiert Verh\u00fcllung als Ph\u00e4nomen und Maskerade. Diese Bilder stellen die Maske als Maske aus. Sie fragen nicht nach eventuellen Geheimnissen dahinter, sondern zeigen die Maske als Erscheinungsform und Medium. Ihr Inhalt bleibt der Akt des Verh\u00fcllens der durch das Unsichtbarmachen Aufmerksamkeiten generiert und Sichtbarkeit lenkt.<\/p>\n<p>In einem weiteren Teil der Ausstellung portr\u00e4tiert sich die K\u00fcnstlerin exemplarisch selbst in Posen und Verkleidungen von Egon Schiele Modellen und \u00fcberl\u00e4sst diese Zitate kunsthistorisch h\u00f6chst aufgeladener Bilder ihrem Sohn zur \u00dcberarbeitung. Das Selbstportrait als Topos von Bekenntnis und bildhafter Authentizit\u00e4t wird hier mehrfach \u00fcberschrieben und, obwohl in diesen Selbstportraits jeglicher Anspruch einen wie immer gearteten &#8222;inneren Kern\u201c darzustellen offensichtlich fehlt, zeigt sich dennoch, dass hier etwas sehr Eigentliches getroffen ist. Die Konzentration auf ein &#8222;Spiel\u201c mit Formalisierungen, in diesem Fall Formalisierungen des Selbst, bedeutet eben nicht nur Distanz und Entfremdung, sondern auch Befreiung und \u00dcberschreitung.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte bei all dem leicht eine als gemeinhin amoralisch geltende Austauschbarkeit potentieller Inhalte beklagen und reklamieren, dass das alles in Wirklichkeit nichts miteinander zu tun h\u00e4tte. Strategien der Auff\u00fchrung des \u00c4hnlichen, morphologische und mediale, vervielfachen sich in der Serie &#8222;Wasser &amp; \u00d6l\u201c. Wenn Maderthaner zweimal dasselbe macht \u2013 einmal in Aquarell und einmal in \u00d6l ist es eben nicht mehr ident, sondern wird zu etwas \u00c4hnlichem. Das wiederum &#8222;\u00e4hnelt\u201c dem Effekt, wenn wir zum Beispiel ein Attentat im Medium Fernsehen sehen und das Attentat dadurch kein singul\u00e4res Ereignis mehr ist, sondern immer schon \u00c4hnlichkeiten mit anderen Fernsehberichten evoziert. Das Medium bleibt st\u00e4rker. Franziska Maderthaners neuen Arbeiten sind somit auch und nicht zuletzt eine Kritik klassischer Ideologiekritik. Bilder die es wirklich wert sind, genau beschaut zu werden.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[et_pb_section][et_pb_row][et_pb_column type=&#8220;1_3&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;titel&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;] Zur Ausstellung &#8222;Wasser &amp; \u00d6l&#8220; Angelika Fitz und Michael W\u00f6rg\u00f6tter [\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_3&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;Wasser &amp; \u00d6l&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;] \u201eF\u00fcr mich ist die Technik des Aquarells ein extrem spannender &#8222;Ausgleich\u201c zur \u00d6lmalerei. Sie fordert eine v\u00f6llig andere Art der Konzentration auf das &#8222;Jetzt\u201c, auf die Unwiederbringlichkeit einzelner Momente. 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