{"id":1449,"date":"2016-02-03T18:24:46","date_gmt":"2016-02-03T17:24:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maderthaner.cc\/?page_id=1449"},"modified":"2016-02-29T17:15:37","modified_gmt":"2016-02-29T16:15:37","slug":"2002-organisiertes-selbstbewusstsein","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/text\/2002-organisiertes-selbstbewusstsein\/","title":{"rendered":"2002 Organisiertes Selbstbewu\u00dftsein"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section][et_pb_row][et_pb_column type=&#8220;1_3&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;titel&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;]<\/p>\n<h5>\u00a0Organisiertes Selbstbewu\u00dfstsein<\/h5>\n<h5>Renahtredam Aksiznarf im Gespr\u00e4ch mit Franziska Maderthaner<\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_3&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;Organisiertes Selbstbewu\u00dftsein (Interview)&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;]<\/p>\n<p><em>Du hast auf diesem Bild gerade Firnis aufgetragen. Sieht aus, als ob dir das ziemlichen Spa\u00df bereiten w\u00fcrde?<\/em><\/p>\n<p>Ja, da hast du recht. Mit dieser Aktion lege ich das letzte Mal Hand ans Bild, bevor ich es in die \u00d6ffentlichkeit entlasse. Abgesehen davon ist wahrscheinlich jeder K\u00fcnstler froh, wenn er einen definitiven Abschlu\u00df, eine Arbeit beendet hat. Gerade wenn die Arbeit nicht proze\u00dfhaft ist, sondern wie bei mir ein hohes Ma\u00df an Perfektion erreicht werden will, ist dieses Auftragen des Abschlu\u00dffirnis aufregend. Alles wirkt, wie in Plastikfolie verpackt, homogener und zugleich entr\u00fcckter als ohne Firnis.<\/p>\n<p><em>Du arbeitest scheinbar gerne aufwendig. Geschieht das, um spontane Spuren zu vermeiden? Wo und wann passiert der kreative Akt, das Chaotisch-K\u00fcnstlerische in deiner Arbeit?<\/em><\/p>\n<p>Vor der Malerei nat\u00fcrlich. Es ist so etwas wie eine Vereinigung seelischer Haltungsformen. Leidenschaftliches Sich-Selbst-Verlieren bis zur v\u00f6lligen Verwandlung des Eindrucks und zugleich k\u00fchle Distanz in der ordnenden Betrachtung der Dinge. Konkret gesagt: Ich sitze dann vor einem Sto\u00df Bilder. Bilder, die ich, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, interessant finde. Detailaufnahmen, schlechte Fotos, Lifestyle-Bilder, Bilder, die f\u00fcr mich eine magische Komponente besitzen &#8211; ob das nun ein eigenartiger Lichtreflex ist, ein sattgesehener Eindruck oder ein noch nie so gesehener&#8230;<br \/>\nEs ist wie ein Spiel. Du kannst dann im Prinzip alles miteinander kombinieren und dazu eine Geschichte oder Komposition erfinden. Nur manche Kombinationen funktionieren einfach besser, sind verwirrender, kl\u00fcger, irrsinniger oder extremer.<\/p>\n<p><em>Es geht also darum, mittels Malerei einen Denkraum der Besonnenheit zu \u00f6ffnen, der, wie Aby Warburg sagt, dem Menschen m\u00f6glicherweise seine Autonomie sp\u00fcren lassen kann.<\/em><\/p>\n<p>In der Bilderflut der Massenmedien sind eben auch Bilder notwendig. Bilder, die einerseits Distanz schaffen und andererseits ber\u00fchren. Manchmal kommt auch noch eine pers\u00f6nliche Befindlichkeit meinerseits dazu, die das Bild dann quasi zu einem Gleichnis der eigenen Mythologie macht. Gut, also Bildelemente ausw\u00e4hlen, sie kombinieren, collagieren, das ist der eigentliche kreative Akt. Wenn die Auswahl getroffen ist, wird das Ganze eingescannt und noch einmal durch die Mangel des Photoshops gedreht. Das dient aber eigentlich nur der Perfektionierung: Farbangleichungen, Proportionen ver\u00e4ndern, \u00dcberg\u00e4nge retuschieren. Meistens sind das Eingriffe, die mit dem \u00fcblichen Umgang mit Computergrafik kaum etwas zu tun haben. Das Endresultat ist dann ein Farblaserausdruck dieser Art von Collage. Es fehlen die harten Kanten und Br\u00fcche der klassischen Collage, es ist ein homogenisiertes zweidimensionales Gebilde.<\/p>\n<p><em>Und das Malen? W\u00e4re man zynisch, w\u00fcrde man es &#8222;Malen nach Zahlen&#8220; nennen, oder? Passiert da noch etwas Unvorhergesehenes, Spontanes?<\/em><\/p>\n<p>Nein. Die mechanische Arbeit des Abmalens schlie\u00dft alle bewu\u00dfte Wahl und Imagination aus. Alle Entscheidungen werden vorher getroffen, denn das Ma\u00df an Konzentration bei meiner Maltechnik ist so gro\u00df, da\u00df ich mir nicht gleichzeitig \u00fcber Proportion, Genauigkeit, Abstraktion,usw.Gedanken machen kann. Es ist mir auch nicht m\u00f6glich, zwischen diesen Denkmodi hin- und herzuspringen. Das Malen ist in der rechten Gehirnh\u00e4lfte beheimatet, also eine ganzheitliche, sinnliche, komplexe und nicht lineare T\u00e4tigkeit. Da kippe ich einfach hinein und schalte den logisch-rationalen, verbalen Teil ab. Ich wei\u00df also nicht, was ich tue. Insofern k\u00f6nnte man diese Arbeit auch viel mehr in der N\u00e4he des Informellen sehen als in der N\u00e4he des Realismus. Denn die mechanische Art des Machens wird ja so wie im Informel von ihrer behaupteten psychisch-energetischen Quelle abgeschnitten.<\/p>\n<p><em>Aber trotzdem ist das Was &#8222;Was soll ich malen?&#8220; das Wesentliche, das Eigentliche und das Schwierigste. Mit dem Wie zu beginnen ist leichtsinnig, aber legitim. Eine legitime avantgardistische Vorgangsweise. Warum benutzt du diese realistische Technik, die doch keine wirkliche Tradition hier hat? Warum thematisierst du Technik, Effekte und Inhalte auf einer Ebene, anstatt die Materialit\u00e4t von Farbe auf Leinwand zu untersuchen?<\/em><\/p>\n<p>Das Wie ist auch nicht so unwichtig. Man kann das Material und die Technik zusammen mit dem Thema oder den psychischen M\u00f6glichkeiten ja in Hinblick auf die Absicht nutzen. Das Wie ist auch wichtig in Hinblick auf die Pr\u00e4senz, die Realit\u00e4t, den Objektcharakter des Bildes. W\u00e4re das Wie unwichtig, k\u00f6nnte ich meine Arbeiten auch als gro\u00dfe Computerdrucke oder Fotomontagen produzieren. Tue ich aber nicht. Das sichtbar mit der Hand gemalte, greifbar materiell hergestellte Bild hat eine enorme Wirklichkeit, die von keiner reproduzierenden Technik geschaffen werden kann.<br \/>\nAber du hast mich nach der Technik und den Themen gefragt. Es ist gestaltpsychologisch erwiesen, da\u00df realistische Malerei und Kunst f\u00fcr den Konsumenten eine weitaus h\u00f6here Attraktivit\u00e4t besitzen als abstrakte, konzeptuelle oder virtuelle Kunst. Warum also nicht ein Bekenntnis zur Attraktivit\u00e4t propagieren?<br \/>\nDer Erfolg der Phantastischen Realisten in den sechziger Jahren beruhte ja unter anderem auf diesem Ph\u00e4nomen: Themen, realistische Malweise, Buntheit und zugleich Perfektion. Auch die Malerei der Pop Art rangiert unter dem Begriff &#8222;attraktiv&#8220;. Insofern w\u00e4re da doch eine \u00f6sterreichische Tradition, an die man ankn\u00fcpfen k\u00f6nnte, h\u00e4tte sie sich weiterentwickelt.<\/p>\n<p><em>Das hat sie aber nicht.<\/em><\/p>\n<p>Und da hat sie sich auch eine gro\u00dfe Chance vermasselt. Denn Kunst schafft heute den Kitsch des Lebens. Darunter ist die Verheiratung von Cross-Culture und Popkultur zu einer Romantik zu verstehen, die im Gegensatz zur historischen Romantik keine Weltflucht kennt, was nur zu Dogmatismus und rigider Ethik f\u00fchrt -, sondern m\u00f6glichst viele Menschen an der Kultur teilhaben lassen m\u00f6chte; letztlich also eine Art Demokratisierung der Kunst. Wird der phantastische Realismus mit dem Etikett &#8222;Kitsch&#8220; belegt, dann sollte das als Ansto\u00df genommen werden, die Weiterentwicklung dieses Prozesses voranzutreiben.<\/p>\n<p><em>Die wichtigste These dazu stammt von Jeff Koons: &#8222;Was man als Kitsch erlebt, ist immer nur die eigene Vergangenheit.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ja, die Kitsch-Kunst hat die Aufgabe, immer wieder zu entlarven, woher die \u00e4sthetischen Werturteile des Menschen kommen. Die Aufgabe von Kitsch besteht also immer darin auszuloten, wo die Grenzen der Toleranz sind, um sie dann auszuweiten.<\/p>\n<p><em>Eine weitere Ankn\u00fcpfung zum phantastischen Realismus sehe ich auch in der Entwicklung des Ekstase-Trends. Die Kunst wird in Zukunft immer mehr zum Rauschmittel werden. Auf der Entdeckungsreise zum eigenen Unterbewu\u00dftsein kann die Kunst dieses selbsterzeugte Erfundene, Unsagbare und Unsichtbare sichtbar machen.<\/em><\/p>\n<p>Der K\u00fcnstler tritt in diesem Fall allerdings als Softwareentwickler von phantastischen Cyberwelten in den Hintergrund, und der Konsument selbst wird zum Kreativen. Dieses Konzept, das das Malergenie und den K\u00fcnstler als autarke Einzelfigur obsolet werden l\u00e4\u00dft, um ihre Aufgaben in der Gesellschaft ganz neu zu formulieren, gef\u00e4llt mir besonders gut. All diese Faktoren &#8211; die Unm\u00f6glichkeit \u00e4sthetische Toleranzgrenzen zu definieren, der Glaube ans Malergenie oder den autarken K\u00fcnstler, die Verweigerung den neuen Medien gegen\u00fcber und schlu\u00dfendlich die Verachtung jeglicher Avantgarde-Entwicklung haben die Phantastischen Realisten in diese Position gebracht.<br \/>\nAuch Andy Warhol hatte ja anfangs realistisch gemalt, aber sein Berufsbild war immer absolut offen f\u00fcr jede k\u00fcnstlerische und gesellschaftliche Lebensform, und somit war er bis zu seinem Tod ein Avantgardek\u00fcnstler.<\/p>\n<p><em>Apropos Warhol. Der Factory-Idee kanst du dich ja auch nicht so ganz entziehen. Du hast vor einigen Jahren eine Agentur f\u00fcr angewandte Malerei gegr\u00fcndet &#8211; Art Work. Hat das funktioniert? Was ist passiert?<\/em><\/p>\n<p>Das Ganze entwickelte sich aus einer Aversion gegen\u00fcber dem Kunstmarkt. Von beiden Seiten, nehme ich an. Die mochten mich nicht so besonders, weil ich mit einem K\u00fcnstler verheiratet war, den ich nicht standesgem\u00e4\u00df managte , weil ich zu goschert und zuwenig einordbar war. Die Spielregeln nicht mitspielte, da ich sie gar nicht verstand, Strategien verweigerte, da mich Synergien mehr interessierten. Und umgekehrt wiederum hatte ich die profane Idee, mit meiner Arbeit Geld zu verdienen. Dabei wollte ich weder Galeristen noch Kunstb\u00fcros oder sonstwem was abgeben. Also machte ich ein Art Kunstmanagement -Ausbildung bei einer hervorragenden PR-Frau, bei der ich wirklich erstaunlich viel lernte. Dinge, die man heute eigentlich auf jeder Kunstakademie vermittelt bekommen sollte. Pr\u00e4sentieren, Medienarbeit, richtig Telefonieren, exaktes Formulieren, Zielgruppen erkennen, effizientes Management&#8230; Gleichzeitig produzierte ich diese Art Work- Folder und verschickte sie an Firmen und Medien. Das mediale Interesse war gro\u00df. Ich verkaufte gut und dachte, das geht jetzt immer so weiter. Und da ist mir dann halt das \u00dcbliche passiert , der Karriereknick schlechthin. Ich wurde schwanger.<\/p>\n<p><em>Hast du das eigentlich jemals thematisiert? Ist bei dir eine Art Mary Kelly- Ph\u00e4nomen aufgetreten?<\/em><\/p>\n<p>Interessanterweise schon vorher. Da habe ich ein sehr realistisches Selbstportr\u00e4t gemacht, auf dem ich zwei Kinder habe, eins steht neben mir, und eins halte ich im Arm. Das war wohl so eine Art Testbild, um dieses Mutterimage zu visualisieren. W\u00e4hrend der Schwangerschaft entstand &#8222;Muttermund&#8220;. Ein gro\u00dfes, sehr erotisches Bild, das sich mit diesem Ph\u00e4nomen Bauch, Muttermund\u00f6ffnung und Hebammen besch\u00e4ftigt. Meine ganze Vorstellung von Geburt war ja sehr abstrakt , und insofern interessierte es mich von der physischen, formalen Seite mehr als von der hormonellen.<\/p>\n<p><em>Inwieweit beeinflu\u00dft dein Sohn dich jetzt? Hat er deine Sicht auf Dinge ver\u00e4ndert?<\/em><\/p>\n<p>Das Legobild &#8222;real virtuality&#8220; h\u00e4tte ich sicher nicht gemalt, h\u00e4tte ich kein Kind. Sein Spielzeug ist eine herrliche, bunte, kleine, reale K\u00fcnstlichkeit, Ersatzwelt. Als ich unl\u00e4ngst sein Lego aufr\u00e4umte, fing ich selber an damit zu spielen und mir mein Traumatelier samt emotionalem Traumambiente zu bauen. Da gibt es Platz, und gleichzeitig ist da mein Sohn und sein Vater, da gibt es Blumen, Bilder an den W\u00e4nden und Mami an der Staffelei. Lego zwingt dich nat\u00fcrlich zu dieser vereinfachten Konstruktion mit schablonenhaften, reduzierten Gegenst\u00e4nden und Menschen. Insofern ist es in dieser reduzierten K\u00fcnstlichkeit der Kunst sehr nahe, vor allem wenn man wie in diesem Bild die klischeehaften Figuren und das traditionelle Rollenbild der Puppen ver\u00e4ndert.<br \/>\nKinder haben au\u00dferdem eine herrlich surreale Welt in ihrem Kopf, die ich jetzt durch meinen Sohn wieder entdecke. Aber das beste ist vielleicht, da\u00df sie alle deine Probleme relativieren, und das nur durch ihre blo\u00dfe Pr\u00e4senz. Seine Art, Dinge zu sehen, erinnert mich in dieser losgel\u00f6sten Sehweise an das Sehen unter Einflu\u00df von halluzinogenen Drogen. Losgel\u00f6st von jeglicher Bedeutung, Geschichte oder selbst perspektivischer Wahrnehmung.<\/p>\n<p><em>Ich spreche dich ungern darauf an, weil es ein heikles Thema ist &#8211; aber trotzdem stelle ich fest, da\u00df deine Bilder auch gewisse psychedelische Elemente, Effekte oder Farben haben.<\/em><\/p>\n<p>Du kannst mich ruhig darauf ansprechen. Das Thema Bewu\u00dftseinserweiterung geht ja an keinem K\u00fcnstler ganz spurlos vorbei. Man erzielt diese mittels Drogen oder Meditation, Yoga oder sonstwas Entspannendem. Und das hat mich nat\u00fcrlich interessiert. Die psychischen und physischen Erlebnisse dabei sind in mir gespeichert und relativ leicht abrufbar. Wenn man dann das ganze Umfeld von psychedelischen Erfahrungen studiert, Huxley oder Timothy Leary liest,viel Musik aus den Sechzigern und fr\u00fchen Siebzigern h\u00f6rt, dann verdichten sich diese unterschiedlichen \u00c4u\u00dferungen zu einem komplexen Lebensgef\u00fchl. Man empfindet sein Tun als authentischer. Jetzt kommt sicher gleich dein Vorwurf, da\u00df wir doch immerhin drei\u00dfig Jahre nach den Sixties leben.<\/p>\n<p><em>Ja, diesen Vorwurf kann ich dir nicht ersparen. Ist das \u00fcberhaupt legitim? Oder ist das kalkulierter Retrostil? Wo kn\u00fcpfst du an die Gegenwart an?<\/em><\/p>\n<p>Kalkulierter Retrostil ist fixer Bestandteil der Popkultur. Aber das ist das Ph\u00e4nomen Pop: Alles kehrt immer wieder, und die Retrostile folgen immer schneller aufeinander. Schau dich doch nur um, junge Musiker wie Beck, Cake oder Blur machen Siebziger-Jahre-Pop Musik, sogar mit eingebauten Kratzger\u00e4uschen wie von alten Langspielplatten. Dazu gibt\u00b4s Plateauschuhe, weite Hosen, Blumenhemden, und h\u00e4tten wir nicht CDs, Computer oder Handy k\u00f6nnte man glauben, wir leben das Jahr 1972 zum zweiten Mal. Ich halte es da mit Marx: In der Geschichte passiert alles zweimal, einmal als Trag\u00f6die und einmal als Farce. Wir haben jetzt die Farce. Von manchen Menschen wird das Ganze aber das erste Mal erlebt und die haben ihre Farce dann in ein paar Jahren.<br \/>\nDie Ankn\u00fcpfung an die Gegenwart findet in meiner Arbeit durch folgende Tatsachen statt: Ich verwende nur aktuelles Bildmaterial, ich erarbeite die Bilder mittels Computer, und mein Berufsbild als K\u00fcnstlerin ist in keinster Weise esoterisch, therapeutisch oder feministisch, wie es 1972 vielleicht der Fall gewesen ist, sondern es ist ein mehr oder weniger professionelles Unternehmertum. Fem-Trash (\u00a9 Jutta K\u00f6ther) statt der alten Frauenbetulichkeiten als Arbeitsweise, das System benutzen, statt es verantwortlich zu machen, als politisches Bewu\u00dftsein und Strategien der Bejahung statt Anklage als geistiges Erlebnis.<\/p>\n<p><em>Der Mythos &#8222;K\u00fcnstler&#8220; hier in \u00d6sterreich beinhaltet ja noch die Illusion vom autarken, genialen Einzelk\u00fcnstler, meist wortkarg oder kryptisch in seinen Aussagen. Ist deine Vorstellung vom Berufsbild K\u00fcnstler nicht allzu pragmatisch und entmystifizierend?<\/em><\/p>\n<p>So soll es auch sein. Ich glaube an Professionalit\u00e4t , und die beginnt eigentlich schon w\u00e4hrend des Studiums. Nat\u00fcrlich mu\u00df man die Spielregeln des Kunstbetriebs kennen, und nat\u00fcrlich sind die kontemplativen Mu\u00dfestunden in Hinblick auf den kreativen Output wichtig, aber daneben fehlt mir das organisierte Selbstbewu\u00dftsein bei gleichzeitiger Bescheidenheit.<\/p>\n<p><em>Ganz sch\u00f6ner Widerspruch. Was bedeutet das? Was sind die Eigenschaften und Erkenntnisse, die ein moderner K\u00fcnstler heute vorweisen sollte?<\/em><\/p>\n<p>Als Kulturproduzent, egal, ob dabei interaktive Ereignisse oder Projekte, Bilder, Skulpturen oder sonstwelche Spuren erzeugt werden, mu\u00df man in dem Bewu\u00dftsein leben, da\u00df man diese T\u00e4tigkeit f\u00fcr andere Menschen macht und will, da\u00df es ihnen gef\u00e4llt. Oder wie es Lois Renner unl\u00e4ngst formulierte: &#8222;W\u00e4re ich allein auf der Welt, w\u00fcrde ich keine Bilder machen.&#8220; Hier Produzent, da Kunde oder Rezipient. Diese Erkenntnis verlangt eine spezielle Einstellung, da man den Kunden ja offensichtlich gewinnen will. Selbst die noch so gesellschaftskritischen k\u00fcnstlerischen Modelle haben ihren Markt, alles andere w\u00e4re Verweigerung, und das hie\u00dfe dann logischerweise: null Produktion. Organisiertes Selbstbewu\u00dftsein steht ganz einfach f\u00fcr bestimmte menschliche, unternehmerische und zukunftsweisende Handlungsformen.<br \/>\nDabei ist es wichtig, wie hoch deine soziale Kompetenz ist, deine F\u00e4higkeit zu Synergien, Sozialisation, Kommunikation, Unkonventionalit\u00e4t, Offenheit f\u00fcr Kritik und Vertrauen. Mir pers\u00f6nlich erscheint es sehr wichtig, die eigene Arbeit verbalisieren und pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen, in komplexeren Dimensionen zu produzieren und die Spielregeln permanent zu hinterfragen. Angstfrei, fr\u00f6hlich und offen ein &#8222;Management by love&#8220; zu betreiben. Den Kunden interessieren dein Leiden oder deine Jammereien nicht. Der Kunde, so wie jeder Mensch, interessiert sich prim\u00e4r f\u00fcr sein eigenes Ego und seine eigene Zukunft. Kunst als Analyse der Wirklichkeit durch Teilnahme an ihr versteht sich als eine Art Kommentar. Als praktische Philosophie, die der eigenen philosophischen Begriffssuche vielleicht einen Schritt voraus ist. Auch wenn sich Kunst heute in ihrem Erscheinungsbild nicht mehr klar abgrenzen l\u00e4\u00dft. Mode, Werbung, Musik &#8211; die ganze Crossover-Kultur ist ja im wesentlichen Kunst und umgekehrt. Aber wenn der Konsument deine Idee liebt, weil sie ihm diese Hoffnung auf Erkenntnis gibt, dann ist das Spiel gewonnen.<\/p>\n<p>Der Mythos &#8222;K\u00fcnstler&#8220; hier in \u00d6sterreich beinhaltet ja noch die Illusion vom autarken, genialen Einzelk\u00fcnstler, meist wortkarg oder kryptisch in seinen Aussagen. Ist deine Vorstellung vom Berufsbild K\u00fcnstler nicht allzu pragmatisch und entmystifizierend?<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[et_pb_section][et_pb_row][et_pb_column type=&#8220;1_3&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;titel&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;] \u00a0Organisiertes Selbstbewu\u00dfstsein Renahtredam Aksiznarf im Gespr\u00e4ch mit Franziska Maderthaner &nbsp; [\/et_pb_text][\/et_pb_column][et_pb_column type=&#8220;2_3&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;Organisiertes Selbstbewu\u00dftsein (Interview)&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;] Du hast auf diesem Bild gerade Firnis aufgetragen. Sieht aus, als ob dir das ziemlichen Spa\u00df bereiten w\u00fcrde? Ja, da hast du recht. 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