{"id":2476,"date":"2016-02-16T20:10:46","date_gmt":"2016-02-16T19:10:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.maderthaner.cc\/?page_id=2476"},"modified":"2016-02-29T17:59:19","modified_gmt":"2016-02-29T16:59:19","slug":"die-geschichte-der-lou-rosenblatt-1989-bis-1910","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/projects\/die-geschichte-der-lou-rosenblatt-1989-bis-1910\/","title":{"rendered":"Die Geschichte der Lou Rosenblatt (Teil1: 1989 bis 1910)"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section][et_pb_row][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;Text&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;]<\/p>\n<p><strong>Die Geschichte der Lou Rosenblatt <\/strong><strong>(1989 bis 1910)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_2484\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1895baby.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2484\" class=\"wp-image-2484 size-medium\" src=\"https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1895baby-300x229.jpg\" alt=\"Lou Rosenblatt 1895\" width=\"300\" height=\"229\" srcset=\"https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1895baby-300x229.jpg 300w, https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1895baby-150x114.jpg 150w, https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1895baby-328x250.jpg 328w, https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1895baby-373x284.jpg 373w, https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1895baby.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2484\" class=\"wp-caption-text\">Lou Rosenblatt 1895<\/p><\/div>\n<p>Ludovika Xenia Rosenblatt wurde am 18. Juni 1889 in Wien-Leopoldstadt als \u00e4ltere von zwei Schwestern geboren. Ihr Vater, Jakob Rosenblatt, war Inhaber eines Altwarengesch\u00e4ftes in der Glockengasse 11. Er selbst bezeichnete sich allerdings als Bibliothekar oder Antiquar. Die Mutter, Ricarda Rosenblatt, war eine energische, fr\u00f6hliche und praktisch veranlagte Frau. W\u00e4hrend Jakob sich in seiner sanftm\u00fctigen und introvertierten Art lieber im B\u00fccherlager aufhielt, hielt sie das Gesch\u00e4ft in Schwung und die Kunden bei Laune.<\/p>\n<p>Ab September 1895 besuchte Ludovika die B\u00fcrgerschule in der Zirkusgasse. Ihre Freizeit verbrachte sie im nahegelegenen Augarten oder im Gesch\u00e4ft ihrer Eltern. Dort d\u00fcrfte sie auch erstmals mit den damals neuartigen Versandhauskatalogen konfrontiert worden sein. Die unz\u00e4hligen Abbildungen (Kupferstiche) von Produkten ohne jegliche symbolische oder narrative Bedeutung faszinierten sie. Weiters hat sie sich schon sehr fr\u00fch mit Athanasius Kirchner und Robert Fludd besch\u00e4ftigt. Allerdings weniger inhaltlich als formal. Fludds Visionen \u00fcber den Kosmos, die in der Philosophia moysaica (1638) samt Illustrationen visualisiert werden, haben Ludovika nachhaltig beeinflusst.<\/p>\n<p>1906 als Siebzehnj\u00e4hrige hatte sie eine weitere pers\u00f6nlichskeitspr\u00e4gende Erfahrung. Nach dem unabsichtlichen Genuss eines Fliegenpilzes erlebte sie durch die halluzinogene Wirkung eine derma\u00dfen ver\u00e4nderte Umwelt, dass sich ihr ganzes Bewusstsein radikal ver\u00e4nderte. Ihr Drang nach Freiheit und ihr Wunsch nach kreativem Ausdruck wurden so gro\u00df, dass sie die Leopoldstadt und ihre Familie verlie\u00df, um einen neues Leben zu beginnen. Fortan verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Aktmodell der neu gegr\u00fcndeten Klimt-Gruppe. Kolo Moser, Ernst St\u00f6hr und eben Gustav Klimt arbeiteten mit ihr. Kolo Moser, den sie im Caf\u00e9 Zentral kennengelernt hatte, war es auch, der ihr empfahl, ihren Namen auf Lou Rosenblatt umzu\u00e4ndern.<\/p>\n<div id=\"attachment_2487\" style=\"width: 236px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1911wien.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2487\" class=\"wp-image-2487 size-medium\" src=\"https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1911wien-226x300.gif\" alt=\"Lou Rosenblatt 1911 in Wien\" width=\"226\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1911wien-226x300.gif 226w, https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1911wien-113x150.gif 113w, https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1911wien-189x250.gif 189w, https:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1911wien-214x284.gif 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2487\" class=\"wp-caption-text\">Lou Rosenblatt 1911 in Wien<\/p><\/div>\n<p>Im August 1906 traf sie ebenfalls im Caf\u00e9 Zentral erstmals auf Sigmund Freud. Der f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Freud war von Lous direktem und intelligentem Wesen, in das er neben androgyner Erotik und mystischer Tiefe auch einen einzigartigen Zugang zum Unterbewu\u00dftsein interpretierte, so angetan, dass er sie fortan als &#8222;Medium&#8220; f\u00fcr seine Forschungen und Analysen bei der &#8222;Traumdeutung&#8220; ben\u00f6tigte. Zu diesem exklusiven Zweck mietete er in der Strozzigasse 42, einem kleinem Biedermeierhaus im 8. Bezirk, eine winzige Wohnung f\u00fcr Lou. In dieser Wohnung, die Lou fast sechs Jahre bewohnte, begann ihr k\u00fcnstlerischer Werdegang.<\/p>\n<p>Das Kunststudium war Frauen noch nicht m\u00f6glich und so arbeitete Lou weiterhin neben den Gespr\u00e4chen und Analysen mit Freud als Aktmodell. Erst 1909 wurde es ihr durch kleinere Bildverk\u00e4ufe und Geldgeschenke von Verehrern m\u00f6glich, diese T\u00e4tigkeit zu beenden. Ihre fr\u00fchen Arbeiten sind stark von den ehemaligen K\u00fcnstlern der Klimt-Gruppe gepr\u00e4gt: Expressiver Ductus, starke Farbigkeit und ornamentale Elemente sind beherrschend.<\/p>\n<p>Und wieder war es Kolo Moser, durch den sie einen wesentlichen Kontakt kn\u00fcpfte. Kolo Moser, der mit Josef Hoffmann 1903 die Wiener Werkst\u00e4tten gegr\u00fcndet hatte, druckte das Buch eines jungen Malers und Grafikers, Titel: &#8222;Die tr\u00e4umenden Knaben&#8220;, K\u00fcnstler: Oskar Kokoschka. Der drei Jahre \u00e4ltere Kokoschka hatte die Kunstgewerbeschule gerade beendet und lebte in gro\u00dfer Armut. Die erotische Anziehung zwischen Lou und Oskar war enorm. Zu ihrer leidenschaftlichen Beziehung kam die intellektuelle Diskussion \u00fcber den Kampf gegen das Ornament. In n\u00e4chtelangen Diskussionen mit Adolf Loos fanden bei Lou und Oskar eine Befreiung vom Ornament sowie der \u00c4sthetik der Klimt-Gruppe und der Kunstgewerbeschule statt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/projects\/die-geschichte-der-lou-rosenblatt-1911-bis-1918\/\">\u2192 Teil 2<\/a><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[et_pb_section][et_pb_row][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;Text&#8220; background_layout=&#8220;light&#8220; text_orientation=&#8220;left&#8220;] Die Geschichte der Lou Rosenblatt (1989 bis 1910) &nbsp; &nbsp; Ludovika Xenia Rosenblatt wurde am 18. Juni 1889 in Wien-Leopoldstadt als \u00e4ltere von zwei Schwestern geboren. Ihr Vater, Jakob Rosenblatt, war Inhaber eines Altwarengesch\u00e4ftes in der Glockengasse 11. Er selbst bezeichnete sich allerdings als Bibliothekar oder Antiquar. 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Die Mutter, Ricarda Rosenblatt, war eine energische, fr\u00f6hliche und praktisch veranlagte Frau. W\u00e4hrend Jakob sich in seiner sanftm\u00fctigen und introvertierten Art lieber im B\u00fccherlager aufhielt, hielt sie das Gesch\u00e4ft in Schwung und die Kunden bei Laune.<\/p><p>Ab September 1895 besuchte Ludovika die B\u00fcrgerschule in der Zirkusgasse. Ihre Freizeit verbrachte sie im nahegelegenen Augarten oder im Gesch\u00e4ft ihrer Eltern. Dort d\u00fcrfte sie auch erstmals mit den damals neuartigen Versandhauskatalogen konfrontiert worden sein. Die unz\u00e4hligen Abbildungen (Kupferstiche) von Produkten ohne jegliche symbolische oder narrative Bedeutung faszinierten sie. Weiters hat sie sich schon sehr fr\u00fch mit Athanasius Kirchner und Robert Fludd besch\u00e4ftigt. Allerdings weniger inhaltlich als formal. Fludds Visionen \u00fcber den Kosmos, die in der Philosophia moysaica (1638) samt Illustrationen visualisiert werden, haben Ludovika nachhaltig beeinflusst.<\/p><p>1906 als Siebzehnj\u00e4hrige hatte sie eine weitere pers\u00f6nlichskeitspr\u00e4gende Erfahrung. Nach dem unabsichtlichen Genuss eines Fliegenpilzes erlebte sie durch die halluzinogene Wirkung eine derma\u00dfen ver\u00e4nderte Umwelt, dass sich ihr ganzes Bewusstsein radikal ver\u00e4nderte. Ihr Drang nach Freiheit und ihr Wunsch nach kreativem Ausdruck wurden so gro\u00df, dass sie die Leopoldstadt und ihre Familie verlie\u00df, um einen neues Leben zu beginnen. Fortan verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Aktmodell der neu gegr\u00fcndeten Klimt-Gruppe. Kolo Moser, Ernst St\u00f6hr und eben Gustav Klimt arbeiteten mit ihr. Kolo Moser, den sie im Caf\u00e9 Zentral kennengelernt hatte, war es auch, der ihr empfahl, ihren Namen auf Lou Rosenblatt umzu\u00e4ndern.<\/p><p>Im August 1906 traf sie ebenfalls im Caf\u00e9 Zentral erstmals auf Sigmund Freud. Der f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Freud war von Lous direktem und intelligentem Wesen, in das er neben androgyner Erotik und mystischer Tiefe auch einen einzigartigen Zugang zum Unterbewu\u00dftsein interpretierte, so angetan, dass er sie fortan als \"Medium\" f\u00fcr seine Forschungen und Analysen bei der \"Traumdeutung\" ben\u00f6tigte. Zu diesem exklusiven Zweck mietete er in der Strozzigasse 42, einem kleinem Biedermeierhaus im 8. Bezirk, eine winzige Wohnung f\u00fcr Lou. In dieser Wohnung, die Lou fast sechs Jahre bewohnte, begann ihr k\u00fcnstlerischer Werdegang.<\/p>[caption id=\"attachment_2487\" align=\"alignleft\" width=\"226\"]<a href=\"http:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1911wien.gif\"><img class=\"wp-image-2487 size-medium\" src=\"http:\/\/www.maderthaner.cc\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/1911wien-226x300.gif\" alt=\"Lou Rosenblatt 1911 in Wien\" width=\"226\" height=\"300\" \/><\/a> Lou Rosenblatt 1911 in Wien[\/caption]<p>Das Kunststudium war Frauen noch nicht m\u00f6glich und so arbeitete Lou weiterhin neben den Gespr\u00e4chen und Analysen mit Freud als Aktmodell. Erst 1909 wurde es ihr durch kleinere Bildverk\u00e4ufe und Geldgeschenke von Verehrern m\u00f6glich, diese T\u00e4tigkeit zu beenden. Ihre fr\u00fchen Arbeiten sind stark von den ehemaligen K\u00fcnstlern der Klimt-Gruppe gepr\u00e4gt: Expressiver Ductus, starke Farbigkeit und ornamentale Elemente sind beherrschend.<\/p><p>Lou Rosenblatt 1911 in Wien<\/p><p>Und wieder war es Kolo Moser, durch den sie einen wesentlichen Kontakt kn\u00fcpfte. Kolo Moser, der mit Josef Hoffmann 1903 die Wiener Werkst\u00e4tten gegr\u00fcndet hatte, druckte das Buch eines jungen Malers und Grafikers, Titel: \"Die tr\u00e4umenden Knaben\", K\u00fcnstler: Oskar Kokoschka. Der drei Jahre \u00e4ltere Kokoschka hatte die Kunstgewerbeschule gerade beendet und lebte in gro\u00dfer Armut. Die erotische Anziehung zwischen Lou und Oskar war enorm. Zu ihrer leidenschaftlichen Beziehung kam die intellektuelle Diskussion \u00fcber den Kampf gegen das Ornament. In n\u00e4chtelangen Diskussionen mit Adolf Loos fanden bei Lou und Oskar eine Befreiung vom Ornament sowie der \u00c4sthetik der Klimt-Gruppe und der Kunstgewerbeschule statt.<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"class_list":["post-2476","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2476","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2476"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2476\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/414"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.maderthaner.cc\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2476"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}